Chirurgen

Roboter im Operationssaal – wer sind die großen Anbieter

Eines der Unicorns, über das im letzten Blogpost hier geschrieben wurde, stellt Roboter für minimalinvasive chirurgische Eingriffe her. CMR Surgical (www.cmrsurgical.com), 2014 in der Nähe von Cambridge gegründet, wird seit der letzten Finanzierungsrunde mit einem Unternehmenswert von etwa USD 1 Mrd. gehandelt. 

Wie funktioniert eigentlich roboterassistierte Chirurgie?

Bei der roboterassistierten Chirurgie steht der Chirurg nicht direkt am Patienten, sondern schaut in die Optik einer Konsole. Über zwei Bedienelemente für Daumen- und Mittelfinger der rechten und der linken Hand steuert er die Instrumente, die sich an speziellen Roboterarmen im Körper des Patienten befinden. Dabei erlaubt die eingesetzte Technologie ein Höchstmaß an Präzision der dank HD-TV bis zu 40-fachen Vergrößerung des OP-Feldes, sodass der Operateur sämtliche Gewebsschichten und Strukturen detailgenau beurteilen kann. Sie schafft zudem eine höhere Beweglichkeit als die Hand, weil sich das Instrument mit seinen sieben Freiheitsgraden um 540 Grad um die eigene Achse drehen lässt.

Roboterchirurgie gibt es schon eine Weile – wer sind die  Anbieter auf dem Markt?

Wenn man das Schlagwort Digital Health hört, denkt man in erster Linie an innovative Startup- Unternehmen. Dabei soll man aber nicht vergessen, dass der Gesundheitsmarkt durchaus von Unternehmen geprägt wird, die seit vielen Jahren auf dem Markt tätig sind. Um weiter erfolgreich zu bleiben, stehen diese Unternehmen an vorderster Front für Innovation und die Entwicklung neuer Technologien. Sie haben auch das Kapital, um durch strategische Unternehmenszukäufe weiter zu wachsen bzw. in neue Technologien zu investieren.

OperationsroboterMarktführer im Bereich minimalinvasive Eingriffe ist Intuitive Surgical (www.intuitive.com), mit Sitz im Silicon Valley, das sich mit seinen da Vinci® Robotern international einen Namen gemacht hat. Das Unternehmen wurde 1995 gegründet und brachte schon vor zwanzig Jahren seinen ersten, wegweisenden Chirurgie-Roboter auf den Markt. Seit 1998 wurden etwa 15,000 wissenschaftliche Publikationen auf Basis der da Vinci® Technologie veröffentlicht. Der Börsengang erfolgte im Jahr 2000 – das Unternehmen notiert an der NASDAQ (ISRG) – und hat eine Marktkapitalisierung von aktuell (03/2020) USD 54,6 Mrd. Intuitive Surgical setzte 2018 mit seinen roboter-assistierten Chirurgiesystemen weltweit USD 3,7 Mrd. um.

Mehr und mehr Mitbewerber drängen jedoch mittlerweile auf diesen Markt. Im vergangenen April hat Ethicon Inc., der Gesundheitsarm von Johnson & Johnson (www.jnj.com) das Roboterchirurgie-Unternehmen Auris Health (www.aurishealth) für einen Betrag von USD 3,4 Mrd. erworben (weitere USD 2,4 Mrd. sollen zusätzlich noch fließen, wenn bestimmte Milestones erreicht werden). Auris Health stellt eine neue Generation von roboterunterstützten Endoskopiegeräten her, die vor allem bei der Bekämpfung von Lungenkrebs eingesetzt werden.

Dass Johnson & Johnson es durchaus ernst mit seiner Digital Health Strategie meint, ist auch daran abzulesen, dass das Unternehmen über seine 100%ige Tochtergesellschaft Ethicon eine Kooperation mit Verily (www.verily.com), dem Gesundheitsbereich von Alphabet (der Muttergesellschaft von Google) eingegangen ist. Das Joint Venture mit dem Namen Verb Surgical (www.verbsurgical.com) hat es sich zum Ziel gemacht, den Markt für digitale Chirurgie gehörig aufzumischen.

Im Dezember 2018 machte das Medizintechnikunternehmen Medtronic (www.medtronic.com) Schlagzeilen, als es den israelischen Roboterhersteller Mazor Robotics (www.mazorrobotics.com) für USD 1,7 Mrd. akquirierte. Das von Mazor Robotics entwickelte Renaissance® System wird vor allem in der Wirbelsäulenchirurgie eingesetzt. Medtronic, mit Sitz in Dublin, Irland ist einer der größten Medizintechnikhersteller der Welt mit einer Börsenkapitalisierung (03/2020) von USD 119,0 Mrd. 27% des Konzernumsatzes von USD 30,6 Mrd. werden bereits mit dem Bereich minimalinvasiver Chirurgie erzielt.

Ein weiterer, sehr ernst zu nehmender Mitbewerber auf dem Gebiet der Wirbelsäulenchirurgie ist das 1941 gegründete Medizintechnikunternehmen Stryker (www.stryker.com). Das Unternehmen notiert an der New Yorker Börse (SYK) und hat eine Marktkapitalisierung von knapp USD 61 Mrd. Etwa 42% des Konzernumsatzes von USD 13,6 Mrd. (2018) werden mit Roboterchirurgie umgesetzt.

Ein weiteres Unternehmen, das sich in der Wirbelsäulenchirurgie einen Namen gemacht hat, ist die französische Medtech S.A. (www.medtech.fr), die allerdings vor drei Jahren um einen Betrag von USD 132 Mio. an die amerikanische Zimmer Biomet Holdings (www.zimmerbiomet.com) verkauft wurde. Zimmer Biomet ist einer der größten Anbieter von orthopädischen Implantaten weltweit, und setzt im Konzern ca. USD 7,9 Mrd. (2018) um.

Die 2005 gegründete Medrobotics Corporation (www.medrobotics.com) ist noch in privaten Händen; in 13 Finanzierungsrunden (die letzte Series H im Januar 2017) wurde bisher ein Kapital von insgesamt USD 181,5 Mio. eingesammelt. Das Unternehmen spezialisiert sich auf chirurgische Produkte mit der Kernkompetenz in Robotik. Die Robotersysteme für minimalinvasive Eingriffe werden unter der Marke Flex® angeboten; mit insgesamt etwa 112 Mitarbeitern wird ein geschätzter Umsatz von USD 12 Mio. erzielt.

surgical robotics

… nicht zu unterschätzen: die beiden Industriegiganten General Electric und Siemens

Die beiden Unternehmen, gegründet im vorletzten Jahrhundert, Ikonen des industriellen Zeitalters, sind auf den verschiedensten Märkten traditionell erbitterte Konkurrenten – auch auf dem Gesundheitsmarkt.

Die Healthcare Sparte des Mischkonzerns General Electric –  GE (www.ge.com) setzte 2018 knapp USD 20 Mrd. um, und machte dabei einen Gewinn vor Steuern in der Höhe von USD 3,7 Mrd. Das global agierende Unternehmen hat eine sehr breit gespannte Produktpalette:  integrierte IT-Lösungen, bildgebende Diagnostik, medizinische Diagnostik, Life Sciences und Chirurgie. GE ist übrigens einer der Investoren, der in der letzten Finanzierungsrunde an CMR Surgical (s.o.) beteiligt war.

Siemens Healthineers (www.siemens-healthineers.com) ist ganz ähnlich positioniert: die ausgegliederte Medizintechniksparte von Siemens, die vor zwei Jahren an die Börse gegangen ist, setzte 2018 EUR 14,5 Mrd. um und erzielte dabei einen Gewinn nach Steuern von EUR 1,6 Mrd.  Auch Siemens ist in den Bereichen Imaging, Diagnostik sowie in Advanced Therapies (wie z. B. Operationsroboter) tätig. Im dritten Quartal hat Siemens Healthineers in den USA zugeschlagen, und um USD 1,1 Mrd. das Roboterunternehmen Corindus Vascular Robotics (www.corindus.com) gekauft. Das Unternehmen stellt Roboter für die Gefäßchirurgie her.

Und noch einige Spieler, die nicht in den USA angesiedelt sind:

Außerhalb der USA gibt es noch eine Handvoll anderer Unternehmen, die sich mit laparoskopischer Roboterchirurgie befassen: das 2012 gegründete kanadische Unternehmen Synaptive Medical (www.synaptivemedical.com), das bisher Wagniskapital von USD 36,9 Mio. eingesammelt hat, sowie ein englisches Unternehmen, OR Productivity plc (www.freehandsurgeon.com), das Halterungszubehör für laproskopische Eingriffe herstellt. 

Auch in Deutschland gibt es ein Unternehmen, das Roboter für minimalinvasive chirurgische Eingriffe herstellt: avateramedical (www.avatera.eu) mit Sitz in Jena. Einer der Gründer, Hubertus von Grünberg, der langjährige Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Continental, plant, mit dem jungen Medizintechnikunternehmen in den Markt für Operationsrobotern einzusteigen. Vor kurzem gab das Management von avateramedical seinen strategischen Plan bekannt, im Jahr 2020 die modernste und größte Produktionsanlage für Medizinroboter in Deutschland zu bauen, um die erwartete steigende Nachfrage in den nächsten fünf Jahren zu decken.

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