Digital Health Unicorns

Digital Health Unicorns

Die europäische Gründerszene im Bereich Digital Health wächst

Digital Health, also digitale Lösungen für den Gesundheitsbereich, ist weltweit ein Wachstumsmarkt; bis 2025 soll er mit jährlichen Wachstumsraten von durchschnittlich 22% auf etwa 504 Mrd. USD anwachsen. Allein in Europa soll der Markt für Digital Health in diesem Zeitraum auf mehr als 172 Milliarden USD anwachsen, wobei das durchschnittliche jährliche Wachstum laut dem Marktforschungsunternehmen Graphical Research hier auf beachtliche 29,3% geschätzt wird.

Laut einer Studie von CB Insights gab es im Jahr 2018 im gesamten Gesundheitsbereich weltweit insgesamt 4,473 Transaktionen, in die Venture Capital Firmen involviert waren; das dabei finanzierte Volumen betrug insgesamt USD 54,7 Mrd. Für 2019 wird eine Steigerung der Transaktionen auf insgesamt 4,545 erwartet, wobei das geschätzte Volumen etwa USD 50,2 Mrd. ausmachen wird.

Der Anteil an Digital Health Transaktionen am gesamten Gesundheitsmarkt beträgt knapp ein Drittel (31%). Im Jahr 2018 wurden weltweit insgesamt 1,472 Digital Health Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von $ 15,7 Mrd. durchgeführt, in den neun Monaten bis 30.09.2019 wurden immerhin 1,052 Transaktionen mit einem Volumen von $ 10,4 Mrd. durchgeführt. Eine Aufstellung der Anzahl der Digital Health Transaktionen für Nordamerika und Europa (die zusammen insgesamt ca. 96% des globalen Markts ausmachen) stellt sich wie folgt dar:

Digital Health Transaktionen Nordamerika und Europes North America and Europe

Digital Health Transaktionen Nordamerika und Europa

Auch die Unternehmensbewertungen einzelner Startups sind beachtlich – mittlerweile gibt es weltweit 37 Healthcare Unicorns („Einhörner“) mit einem aggregierten Unternehmenswert von $ 92,1 Mrd.

https://www.cbinsights.com/research/report/healthcare-trends-q3-2019/

37 Unicorns in Healthcare

37 Einhörner sind auf der Liste, neun davon sind in Europa: die aggregierten Unternehmenswerte dieser neun Unternehmen haben einen Anteil von 17,4%. Der Großteil entfällt mit 58,2% auf Nordamerika, 23,3% auf Asien und 1,1% auf den Mittleren Osten (Israel).

Wer sind die europäischen Einhörner?

Fünf der neun Unicorns sind in Großbritannien angesiedelt

BenevolentAI www.benevolent.ai ist ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Medikamentenentwicklungsunternehmen mit Sitz in London. Das Unternehmen, das 2013 gegründet wurde, hat Kooperationsabkommen mit einer Reihe der größten Pharmaunternehmen abgeschlossen. In insgesamt drei Funding Runden wurde bisher ein Kapital von USD 292 Mio. aufgebracht, die letzte Runde erfolgte im September 2019, als der Staatsfonds von Singapur, Temasek Holdings, Venture Capital in Höhe von USD 90 Mio. in das Unternehmen steckte.

Auch das Telemedizinunternehmen Babylon Health (www.babylonhealth.com) hat seit letztem Sommer den Status eines Einhorns erreicht. Mehr Details zu diesem Unternehmen finden Sie in unserem letzten Blogbeitrag https://www.upskillingdoctors.com/telemedizin-unter-der-lupe-das-sind-die-grosen-player/

Das Gentechnologieunternehmen Oxford Nanopore (www.nanoporetech.com) stellt eine neue DNA-Sequenzierungstechnik zur Verfügung, die es erlaubt, dynamische Prozesse auf molekularer Ebene zu verfolgen. Das Unternehmen hat im Jahr 2018 einen Umsatz von USD 43,7 Mio. generiert (nach USD 17,8 Mio. im Jahr davor). Oxford Nanopore, das 2005 gegründet wurde, hat bisher ein Funding von insgesamt GBP 557 Mio. eingesammelt, einer der größten Investoren ist Amgen, mit einem Equity Investment von USD 62,5 Mio.

Darktrace (www.darktrace.com) wurde 2013 von einer Gruppe Mathematiker der Universität Cambridge gegründet und ist heute eines der führenden KI-Unternehmen für Cybersecurity. Das Unternehmen bietet Lösungen für eine Reihe von Branchen an, darunter auch den Gesundheitsbereich und Pharma. Mit der zunehmenden Digitalisierung von Patientendaten und Abläufen in Krankenhäusern werden Unternehmen im Gesundheitsbereich auch verstärkt zum Ziel von Cyber-Angriffen und müssen sich entsprechend dagegen wappnen. Darktrace beschäftigt etwa 1,000 Mitarbeiter in mehr als 40 Büros weltweit und hat bisher Aufträge im Wert von über USD 500 Mio. abgewickelt.

CMR Surgical (www.cmrsurgical.com)  stellt Operationsroboter für minimalinvasive, chirurgische Eingriffe her. Versius®, ein chirurgisches Robotersystem der nächsten Generation, wurde im Oktober nach einer Reihe erfolgreicher klinischer Studien an ein Krankenhaus in Indien verkauft. An der letzten Finanzierungsrunde über GBP 195 Mio. (Series C) im September, bei der das Unternehmen mit über $ 1 Mrd. bewertet wurde, nahm unter anderem auch GE Healthcare als Investor teil.

Ein weiteres Einhorn findet man in Frankreich

Über Doctolib (www.doctolib.fr), das Arzt-Patienten-Portal mit Sitz in Frankreich, haben wir bereits in unserem letzten Blogpost geschrieben. https://www.upskillingdoctors.com/telemedizin-unter-der-lupe-das-sind-die-grosen-player/

Das Unternehmen ist mit Online- Terminvereinbarungen groß geworden und bietet seit kurzem auch Telemedizin an.

In Deutschland gibt’s deren zwei

Ottobock. (www.ottobock.com) ist kein Startup, daher auch kein klassisches Einhorn, sondern ein sehr erfolgreiches, Familienunternehmen, spezialisiert auf die Herstellung und den Vertrieb von Prothesen. Das Unternehmen, das 1919 von Prof. Dr. Otto Bock gegründet wurde, ging vom Schwiegersohn des Gründers, Dr. Max Näder, schließlich auf dessen Sohn, Prof. Dr. Hans Georg Näder über. Erst seit 2018 wird Ottobock. in der Rechtsform einer SE & Co. KGaA geführt. Das Unternehmen verzeichnet seit Jahren einen stabilen Wachstumskurs: 2017 stiegen der Umsatz um 4,6 Prozent auf EUR 927,4 Mio. und die Mitarbeiterzahl auf 7.000 weltweit. Koordiniert werden die internationalen Aktivitäten des Unternehmens in der Zentrale in Duderstadt im Landkreis Göttingen. Das Unternehmen arbeitet mit digitalen Technologien, wie 3D Druck oder künstlicher Intelligenz. In den letzten Jahren machte Ottobock. mit einer Reihe von Akquisitionen von sich reden: 2017 wurde der amerikanischen Prothesenerzeuger BionX Medical Technologies erworben, im selben Jahr auch der englische Mitbewerber Steeper Group.

Das Biotechnologieunternehmen CureVac (www.curevac.com) mit Sitz in Tübingen, wurde im Jahr 2000 gegründet, und beschäftigt sich mit Gentechnologie. Durch die vom Unternehmen entwickelte mRNA-Technologie werden dem Körper über Impfstoffe und Therapeutika direkt die Information gegeben, die er benötigt, um Krankheiten bekämpfen und heilen zu können. Insgesamt hat das Unternehmen bisher ein Kapital von USD 382,2 Mio. eingesammelt. Das letzte Funding (Series F) über USD 29,5 Mio. erfolgte im November 2016.

Auch in der Schweiz findet sich ein Einhorn

Das Neurotechnologieunternehmen Mindmaze (www.mindmaze.com) mit Sitz in Lausanne wurde 2012 gegründet und entwickelt 3D Imaging Technologie für die Neuro-Rehabilitation sowohl im Krankenhaus als auch zuhause. Weitere Virtual Reality bzw. Augmented Reality-Lösungen werden nicht nur für das Gesundheitswesen, sondern auch z. B. für die Fahrsicherheit im Motorsport angeboten. Über das letzte Funding im Jahr 2017 gibt es keinerlei Details, in den Funding Runden davor wurden insgesamt zumindest USD 110 Mio. eingesammelt.

Quo vadis, Europa?

Wie man sieht, sind es Hunderte von Millionen, die Startups für ihr Wachstum brauchen. Kapital in dieser Größenordnung ist von europäischen Investoren allein nicht aufzutreiben – selbst wenn die Gründer es wollten. Die Fonds der europäischen Wagniskapitalunternehmen werden zwar auch größer, sie stehen jedoch im Wettstreit mit den großen amerikanischen Venture Capitalists sowie den eine immer wichtigere Rolle spielenden Staatsfonds.

Die Zukunft der europäischen Wirtschaft wird daher mehr und mehr von Amerikanern und Asiaten bestimmt. Ob die Unternehmen dauerhaft in Europa sitzen, ob sie an die Börse gehen oder verkauft werden, wird wohl irgendwann einmal weit weg von London oder Berlin (geschweige denn Wien) entschieden. Und wenn das passiert, fließt ein Großteil der Erlöse auch dorthin.

 

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